Wir können unsere Muster gut verstehen und trotzdem erleben, dass sie in entscheidenden Momenten wieder auftauchen. Veränderung beginnt nicht immer mit noch mehr Wissen – manchmal beginnt sie damit, neugieriger darauf zu werden, wie wir uns heute erleben.
Vielleicht kennst du das Gefühl, innerlich festzustecken.
Du möchtest dich klarer ausdrücken, gelassener reagieren oder mehr bei dir bleiben. Und trotzdem merkst du, wie sich in bestimmten Situationen etwas in dir zusammenzieht, zögert oder zurückzieht.
Vielleicht geschieht das in Gesprächen, bei Entscheidungen, in Beziehungen oder gerade dann, wenn dir etwas besonders wichtig ist.
Die Reaktion scheint manchmal schneller zu sein als der bewusste Gedanke.
Und irgendwann entsteht die Frage:
„Ich verstehe doch inzwischen, warum ich so reagiere. Warum verändert es sich trotzdem nicht?“
Diese Frage kann ein interessanter Ausgangspunkt sein.
Nicht für eine weitere Anstrengung, endlich anders zu werden.
Sondern dafür, genauer wahrzunehmen, was eigentlich geschieht.
Wenn Verstehen allein nicht genügt
Viele Menschen, die zu mir kommen, haben sich bereits intensiv mit sich beschäftigt.
Sie haben Bücher gelesen, meditiert, Therapie oder Coaching erlebt und können ihre eigenen Muster oft sehr gut beschreiben.
Sie wissen vielleicht, warum es ihnen schwerfällt, Grenzen zu setzen.
Warum Kritik sie so stark beschäftigt.
Warum sie sich schnell anpassen.
Oder weshalb Nähe gleichzeitig ersehnt und als schwierig erlebt wird.
Und dennoch tauchen dieselben Reaktionen im Alltag wieder auf.
Das bedeutet nicht, dass die bisherige Auseinandersetzung nichts gebracht hat.
Verstehen ist wichtig.
Aber unsere Reaktionen bestehen nicht nur aus Gedanken.
Auch Gefühle, Körperempfindungen, Beziehungen und unser Bild von uns selbst sind daran beteiligt.
Deshalb kann etwas gedanklich längst verstanden sein – und sich im entscheidenden Moment trotzdem sehr anders anfühlen.
Was heute stört, konnte früher wichtig sein
Aus der Perspektive von NARM™ betrachten wir viele dieser Reaktionen nicht zuerst als etwas, das beseitigt werden muss.
Anpassung, Rückzug, Kontrolle, Leistung oder das Zurückhalten eigener Bedürfnisse können einmal wichtige Möglichkeiten gewesen sein, Beziehung und Sicherheit zu erhalten.
Gerade im Zusammenhang mit Entwicklungstrauma geht es häufig nicht nur um einzelne belastende Ereignisse. Prägend kann auch sein, was über längere Zeit in frühen Beziehungen möglich war – und wofür wenig Raum blieb.
Ein Kind ist auf Beziehung angewiesen.
Es kann deshalb sehr früh lernen, sich an seine Umgebung anzupassen.
Nicht weil mit ihm etwas nicht stimmt.
Sondern weil Beziehung lebenswichtig ist.
Was damals sinnvoll war, kann jedoch später weiterwirken, obwohl sich die Lebensbedingungen längst verändert haben.
Mehr darüber, wie solche frühen Anpassungen entstehen und sich im Erwachsenenleben zeigen können, findest du auf meiner Seite zum Thema Entwicklungstrauma.
Wenn die Vergangenheit im Heute sichtbar wird
Für therapeutische Arbeit müssen wir nicht jedes Detail der Vergangenheit rekonstruieren.
Vieles von dem, was uns geprägt hat, zeigt sich ohnehin im gegenwärtigen Leben.
Zum Beispiel wenn du etwas sagen möchtest – und plötzlich still wirst.
Wenn du eigentlich „Nein“ meinst – und trotzdem „Ja“ sagst.
Wenn jemand unzufrieden mit dir ist und du sofort beginnst, an dir selbst zu zweifeln.
Oder wenn du dich nach Nähe sehnst und gleichzeitig bemerkst, dass etwas in dir Abstand herstellen möchte.
Interessant wird dann nicht nur die Frage:
„Warum bin ich so geworden?“
Sondern auch:
„Was geschieht gerade mit mir?“
Was denke ich über mich?
Was fühle ich?
Was geschieht in meinem Körper?
Und wie gehe ich in diesem Moment mit mir selbst um?
Genau dort wird ein altes Muster zu einer gegenwärtigen Erfahrung, die wir gemeinsam kennenlernen können.
Was NARM™ dabei interessiert
NARM™ – das NeuroAffective Relational Model – ist ein beziehungsorientierter therapeutischer Ansatz zur Arbeit mit Entwicklungs- und Beziehungstrauma.
Im Mittelpunkt steht nicht die Vorstellung, einen Menschen reparieren zu müssen.
Wir interessieren uns vielmehr dafür, wie jemand heute mit sich selbst und anderen in Beziehung ist.
Dabei können Gedanken, Gefühle und Körperreaktionen ebenso wichtig werden wie innere Konflikte.
Besonders zentral ist die Frage:
Was möchtest du für dich?
Nicht nur:
„Warum ziehe ich mich zurück?“
Sondern auch:
„Wie möchte ich in dieser Situation eigentlich sein können?“
Nicht nur:
„Warum fällt es mir so schwer, eine Grenze zu setzen?“
Sondern:
„Was wäre mir in dieser Beziehung wichtig?“
Damit richtet sich die Aufmerksamkeit nicht ausschließlich auf das Problem.
Auch die eigene Intention, Lebendigkeit und Möglichkeit zu wählen bekommen Raum.
Wenn aus einem automatischen Muster etwas Sichtbares wird
Ein Klient bemerkte beispielsweise, dass seine Stimme in wichtigen Gesprächen leiser wurde.
Er wollte eigentlich deutlich sagen, was ihm wichtig war.
Doch sobald die Situation emotional bedeutsam wurde, zog sich etwas zurück.
Während wir darüber sprachen, wurde sichtbar, was in diesem Moment geschah:
Der Atem wurde kürzer.
Der Blick ging zur Seite.
Und da war der Gedanke:
„Ich sollte besser nichts Falsches sagen.“
Wir mussten diese Reaktion nicht sofort verändern.
Zunächst konnten wir gemeinsam bemerken:
„Ah – genau jetzt passiert es.“
Das klingt vielleicht unspektakulär.
Doch zwischen einer automatischen Reaktion und dem Moment, in dem wir sie wahrnehmen können, entsteht etwas Neues.
Ein wenig Raum.
Vielleicht wird dadurch noch nicht sofort alles anders.
Aber möglicherweise kann ein Satz mehr gesagt werden.
Eine Grenze etwas früher wahrgenommen werden.
Oder überhaupt erst spürbar werden, was man in diesem Moment für sich möchte.
Veränderung muss nicht gegen uns geschehen
Wenn wir unsere Muster erkennen, entsteht schnell der Wunsch, sie loszuwerden.
Wir wollen endlich selbstbewusster sein.
Uns weniger anpassen.
Nicht mehr so viel nachdenken.
Mehr Grenzen setzen.
Das ist verständlich.
Aber manchmal wird selbst der Wunsch nach Veränderung zu einer neuen Form von Druck.
Dann behandeln wir uns wieder so, als müsste etwas an uns endlich anders werden.
NARM™ lädt zu einer anderen Bewegung ein.
Wir können zunächst neugierig werden auf das, was bereits geschieht.
Nicht:
„Wie bekomme ich das weg?“
Sondern:
„Wie ist es, gerade so mit mir zu sein?“
Diese kleine Verschiebung kann bedeutsam sein.
Denn wir müssen unsere früheren Anpassungen nicht bekämpfen, um heute neue Möglichkeiten zu entwickeln.
Mehr als unsere alten Strategien
Unsere Schutzstrategien erzählen etwas über unsere Geschichte.
Aber sie erzählen nicht alles darüber, wer wir sind.
Neben Anpassung kann es einen Wunsch nach Autonomie geben.
Neben Rückzug eine Sehnsucht nach Kontakt.
Neben Kontrolle vielleicht den Wunsch, sich einmal anlehnen zu können.
Neben dem Funktionieren eine Lebendigkeit, die lange wenig Raum hatte.
Therapeutische Veränderung bedeutet deshalb nicht unbedingt, ein anderer Mensch zu werden.
Vielleicht geht es vielmehr darum, dass das, was bereits in uns lebt, wieder etwas mehr Raum bekommen kann.
Alte Reaktionen können weiterhin auftauchen.
Der Unterschied besteht darin, dass sie nicht mehr die einzige Möglichkeit sein müssen.
Und genau dort kann langsam mehr Wahlfreiheit entstehen.
NARM Therapie und Entwicklungstrauma
In der Arbeit mit Entwicklungstrauma geht es für mich deshalb nicht darum, die Vergangenheit ungeschehen zu machen.
Auch nicht darum, möglichst schnell bestimmte Symptome loszuwerden.
Wir können gemeinsam untersuchen, wie frühere Anpassungen heute noch in deinem Leben auftauchen – und was geschieht, wenn du dich dem eigenen Erleben mit etwas mehr Neugier und weniger Druck zuwendest.
Vielleicht entsteht dadurch etwas, das sich zunächst sehr klein anfühlt:
Du bemerkst eine Grenze früher.
Du kannst einen Wunsch aussprechen.
Du bleibst einen Moment länger bei dir.
Oder du erkennst, dass du heute Möglichkeiten hast, die früher nicht zur Verfügung standen.
Veränderung muss dann nicht bedeuten, sich neu zu erfinden.
Sie kann bedeuten, mehr von dem eigenen Leben wieder selbst erleben und gestalten zu können.
Kostenloses Erstgespräch
Wenn du dich in diesen Erfahrungen wiedererkennst und herausfinden möchtest, ob NARM™ für dein Anliegen passend sein könnte, können wir uns zunächst in einem kostenlosen und unverbindlichen Erstgespräch kennenlernen.
Rafael Prentki
Heilpraktiker für Psychotherapie · NARM™
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