
Emotionaler Missbrauch – wenn Sie sich selbst immer weniger vertrauen
Vielleicht ist nicht das Schwierigste, was passiert ist.
Vielleicht ist das Schwierigste, dass Sie sich selbst immer weniger vertrauen.
Nach einem Gespräch fragen Sie sich, ob Sie übertrieben haben.
Sie entschuldigen sich, obwohl Sie gar nicht genau wissen, wofür.
Sie überlegen immer häufiger, was Sie sagen dürfen, ohne einen Streit auszulösen.
Und manchmal ertappen Sie sich bei dem Gedanken:
„Vielleicht liegt es wirklich an mir.“
Was oft ganz langsam beginnt, verändert mit der Zeit die Beziehung zu uns selbst.
Viele Menschen beschreiben genau dieses Erleben nach einer Beziehung, in der emotionaler Missbrauch eine Rolle gespielt hat.
Wenn die eigene Wahrnehmung unsicher wird
Emotionaler Missbrauch hinterlässt häufig keine sichtbaren Spuren.
Und genau das macht ihn so schwer zu erkennen.
Vielleicht wurden Ihre Gefühle immer wieder infrage gestellt.
Vielleicht wurden Ihre Grenzen nicht ernst genommen.
Vielleicht haben Sie gelernt, dass es einfacher ist zu schweigen, sich anzupassen oder Konflikte zu vermeiden.
Irgendwann geht es nicht mehr nur darum, was der andere sagt.
Es geht darum, dass Sie beginnen, Ihrer eigenen Wahrnehmung immer weniger zu glauben.
Viele Menschen verlieren dabei nicht nur Sicherheit.
Sie verlieren nach und nach den Kontakt zu sich selbst.
Es geht nicht nur um das, was passiert ist
Die Frage, ob etwas emotionaler Missbrauch war, kann wichtig sein.
Für die therapeutische Arbeit ist jedoch oft eine andere Frage entscheidend:
Was haben diese Erfahrungen mit Ihnen gemacht?
Vielleicht fällt es Ihnen heute schwer, Grenzen zu setzen.
Vielleicht übernehmen Sie schnell Verantwortung für andere.
Vielleicht spüren Sie Ihre eigenen Bedürfnisse kaum noch oder fühlen sich schuldig, sobald Sie für sich selbst einstehen.
Diese Reaktionen entstehen nicht, weil mit Ihnen etwas nicht stimmt.
Oft waren sie einmal sinnvolle Möglichkeiten, mit schwierigen Beziehungen umzugehen.
Warum wir uns anpassen
Niemand entscheidet sich bewusst dafür, sich selbst zu verlieren.
Viele Menschen lernen schon früh, aufmerksam zu sein.
Die Stimmung anderer wahrzunehmen.
Sich zurückzunehmen.
Stark zu sein.
Sich zu kümmern.
Eigene Bedürfnisse aufzuschieben.
Diese Strategien können helfen, Beziehungen aufrechtzuerhalten und schwierige Situationen zu überstehen.
Doch was damals Schutz gegeben hat, kann heute dazu führen, dass Sie sich selbst immer weniger spüren.
Solche frühen Anpassungen können auch im Zusammenhang mit Entwicklungstrauma eine Rolle spielen.
Was mir in der Therapie wichtig ist
Mich interessiert nicht zuerst, wer Schuld trägt.
Mich interessiert auch nicht, Menschen in Diagnosen einzuordnen.
Ich möchte verstehen, wie Sie gelernt haben, mit Ihren Erfahrungen umzugehen.
In meiner therapeutischen Arbeit orientiere ich mich am NARM™-Ansatz, einem beziehungsorientierten Ansatz für die Arbeit mit Entwicklungs- und Beziehungstrauma.
Gemeinsam erkunden wir, welche Anpassungen einmal notwendig waren, welche Auswirkungen sie heute auf Ihr Leben haben und wie wieder mehr Kontakt zu Ihren Gefühlen, Bedürfnissen und Grenzen entstehen kann.
Nicht durch Druck.
Nicht dadurch, dass Sie sich ändern müssen.
Sondern indem wir gemeinsam verstehen, was Ihr Nervensystem über viele Jahre gelernt hat – und neue Erfahrungen möglich werden.
Ein erster Schritt
Vielleicht wissen Sie noch gar nicht, ob das, was Sie erlebt haben, emotionaler Missbrauch war.
Vielleicht spüren Sie einfach, dass Sie sich selbst in Beziehungen immer wieder verlieren.
Beides kann ein guter Ausgangspunkt sein.
In einem unverbindlichen Erstgespräch haben wir Zeit, gemeinsam auf Ihre Situation zu schauen und herauszufinden, ob eine therapeutische Begleitung für Sie hilfreich sein kann.
Weiterlesen
Wenn Sie mehr darüber erfahren möchten, wie emotionaler Missbrauch entstehen und sich auf die eigene Wahrnehmung auswirken kann:
Weiterlesen: Emotionaler Missbrauch – wenn Beziehung beginnt, das eigene Erleben zu verunsichern
Rafael Prentki
Heilpraktiker für Psychotherapie