🌱 KI und menschliche Beziehungen aus NARM-Perspektive

„Künstliche Intelligenz kann Nähe simulieren – doch was bedeutet das für unsere echten Beziehungen? Aus der NARM-Perspektive erforschen wir, wie KI unsere Muster spiegelt und wie wir mehr Lebendigkeit in Kontakt erleben können.

Wie verändert Künstliche Intelligenz unsere Art, in Beziehung zu sein – zu uns selbst und zu anderen Menschen? Ein Blick auf Nähe, Orientierung und die Frage, was menschliche Begegnung besonders macht.

Künstliche Intelligenz ist innerhalb kurzer Zeit Teil unseres Alltags geworden.

Wir nutzen sie, um Informationen zu finden, Texte zu schreiben, Ideen zu entwickeln, Entscheidungen vorzubereiten oder Gedanken zu sortieren.

Dabei geschieht möglicherweise noch etwas anderes.

Wir beginnen, mit KI zu sprechen.

Wir stellen Fragen.

Wir erzählen von Schwierigkeiten.

Wir bitten um Einschätzungen.

Manchmal formulieren Menschen gegenüber einer KI sogar Dinge, die sie einem anderen Menschen zunächst nicht erzählen würden.

Damit entsteht eine interessante Frage:

Was geschieht mit unserer Art, in Beziehung zu sein, wenn ein immer größerer Teil unseres Austauschs mit Systemen stattfindet, die Sprache erstaunlich menschlich erscheinen lassen können?

KI kann vieles leichter machen

Es gibt gute Gründe, KI zu nutzen.

Sie kann Informationen strukturieren.

Beim Schreiben unterstützen.

Neue Perspektiven anbieten.

Gedanken sortieren.

Oder helfen, eine Frage überhaupt erst genauer zu formulieren.

Gerade wenn wir uns mit etwas unsicher fühlen, kann es angenehm sein, zunächst in einem Raum nachzudenken, in dem keine unmittelbare zwischenmenschliche Reaktion auf uns wartet.

Wir können eine Frage verändern.

Noch einmal stellen.

Etwas ausprobieren.

Uns widersprechen.

Und jederzeit aufhören.

Diese Form der Verfügbarkeit unterscheidet sich deutlich von einer Begegnung zwischen zwei Menschen.

Wenn eine Antwort sich nach Verstandenwerden anfühlt

Sprachmodelle können Antworten formulieren, die aufmerksam, verständnisvoll oder persönlich wirken.

Dadurch kann beim Menschen durchaus das Erleben von Resonanz entstehen.

Das ist zunächst eine menschliche Erfahrung.

Interessant wird die Frage:

Was bedeutet dieser Moment für mich?

Vielleicht hilft mir die Antwort, mich selbst besser zu verstehen.

Vielleicht fühle ich mich beruhigt.

Vielleicht suche ich Orientierung.

Vielleicht möchte ich bestätigt werden.

Oder vielleicht fällt es mir gerade leichter, etwas einer KI zu schreiben, als es einem anderen Menschen zu sagen.

Keine dieser Möglichkeiten muss problematisch sein.

Aber sie können etwas darüber erzählen, was wir gerade brauchen oder suchen.

KI als Raum für Selbstreflexion

Gerade hier sehe ich eine interessante Möglichkeit.

KI muss nicht ausschließlich als Informationsmaschine oder als möglicher Ersatz für menschlichen Kontakt betrachtet werden.

Sie kann auch einen Raum für Reflexion schaffen.

Eine Frage kann eine weitere Frage hervorbringen.

Ein Gedanke kann klarer werden, wenn wir ihn formulieren.

Eine andere Perspektive kann uns bemerken lassen, dass wir selbst etwas ganz anderes empfinden.

Entscheidend ist dann vielleicht nicht nur:

Was antwortet mir die KI?

Sondern:

Was geschieht mit mir, während ich diese Antwort lese?

Stimmt sie für mich?

Widerspreche ich innerlich?

Fühle ich mich erleichtert?

Verunsichert?

Entsteht eine eigene Idee?

Damit bleibt die eigene Erfahrung ein wichtiger Bezugspunkt.

Wenn wir Orientierung im Außen suchen

Aus NARM-Perspektive interessiert mich besonders, wie Menschen mit ihrem eigenen Erleben in Beziehung sind.

Das wird beim Umgang mit KI sehr spannend.

Wir können heute innerhalb von Sekunden nach einer Einschätzung fragen:

Was soll ich tun?

Wie soll ich darauf reagieren?

War meine Entscheidung richtig?

Was bedeutet das Verhalten dieses Menschen?

Das kann hilfreich sein.

Und gleichzeitig können wir neugierig werden:

Was geschieht mit meiner eigenen Orientierung, während ich nach einer Antwort suche?

Vielleicht unterstützt die Antwort mich dabei, klarer zu sehen.

Vielleicht merke ich durch sie erst, was ich selbst möchte.

Und vielleicht bemerke ich manchmal, dass ich immer weitere Antworten suche, weil es schwer ist, meiner eigenen Wahrnehmung zu vertrauen.

Nicht die Nutzung von KI ist dann das Entscheidende.

Interessant ist die Beziehung, die wir zu ihr entwickeln.

Eine Beziehung ohne dieselbe Gegenseitigkeit

Hier liegt ein wesentlicher Unterschied zur menschlichen Begegnung.

Ein anderer Mensch bringt ein eigenes Erleben mit.

Eigene Bedürfnisse.

Grenzen.

Wünsche.

Eine Geschichte.

Er kann uns missverstehen.

Widersprechen.

Überraschen.

Sich zurückziehen.

Oder etwas von uns wollen, das wir nicht geben möchten.

Genau diese Gegenseitigkeit macht menschliche Beziehungen manchmal schwierig.

Und gleichzeitig entsteht darin etwas, das eine KI nicht auf dieselbe Weise mit uns teilt:

Zwei Menschen müssen miteinander herausfinden, wie Beziehung zwischen ihnen möglich ist.

KI kann einen Dialog sprachlich sehr überzeugend gestalten. Aber sie begegnet uns nicht mit einem menschlichen Leben und einer eigenen menschlichen Bedürftigkeit.

Das verändert die Art des Kontakts grundlegend.

Wenn menschlicher Kontakt anstrengender ist

Gerade deshalb kann die Begegnung mit KI manchmal einfacher erscheinen.

Wir müssen nicht darauf achten, ob die andere Seite müde ist.

Wir müssen keinen günstigen Zeitpunkt finden.

Wir müssen keine Zurückweisung befürchten.

Und wir müssen uns nicht unmittelbar mit den Bedürfnissen eines Gegenübers auseinandersetzen.

Für Menschen, denen es schwerfällt, sich zu zeigen oder anderen zur Last zu fallen, kann das entlastend sein.

Auch hier würde ich nicht vorschnell sagen:

Das ist gut oder schlecht.

Interessanter ist:

Was ermöglicht mir dieser Kontakt?

Und:

Was wird darin vielleicht weniger gefordert?

KI und vertraute Beziehungsmuster

Vielleicht werden im Umgang mit KI sogar vertraute Muster sichtbar.

Ein Mensch sucht immer wieder Bestätigung für eine Entscheidung.

Ein anderer möchte möglichst perfekte Antworten bekommen.

Jemand versucht, jedes Gefühl vollständig zu verstehen.

Ein anderer nutzt den Austausch, um überhaupt erst Worte für etwas zu finden, über das er später mit einem Menschen sprechen möchte.

Dasselbe Werkzeug kann damit sehr unterschiedliche Funktionen bekommen.

Aus NARM-Perspektive interessiert mich deshalb weniger eine allgemeine Antwort auf die Frage, ob KI Beziehungen verbessert oder verschlechtert.

Mich interessiert:

Wie nutze ich sie – und wer bin ich dabei?

Was menschliche Beziehung besonders macht

Menschliche Begegnung beinhaltet etwas, das sich nicht vollständig kontrollieren lässt.

Wir können einem Menschen etwas sagen und wissen nicht genau, wie es bei ihm ankommt.

Wir können uns zeigen und erleben Zustimmung.

Oder Irritation.

Wir können eine Grenze setzen und feststellen, dass die Beziehung bestehen bleibt.

Wir können enttäuscht werden und miteinander herausfinden, was danach möglich ist.

Gerade darin können neue Erfahrungen entstehen.

Nicht weil Konflikt an sich wertvoll wäre.

Sondern weil Beziehung bedeutet, dass mehr als eine Wirklichkeit gleichzeitig im Raum ist.

Meine.

Und die des anderen.

KI muss menschliche Beziehung nicht ersetzen

Deshalb erscheint mir die Gegenüberstellung „KI oder menschliche Beziehung“ zu einfach.

KI kann durchaus etwas unterstützen, das anschließend in menschliche Beziehung hineinwirkt.

Vielleicht hilft sie jemandem, Gedanken zu sortieren, bevor ein schwieriges Gespräch geführt wird.

Vielleicht entstehen Worte für ein Bedürfnis.

Vielleicht erkennt jemand beim Schreiben, dass eine Grenze wichtig ist.

Oder eine Antwort löst Widerspruch aus und plötzlich wird deutlicher:

Nein. Eigentlich möchte ich etwas anderes.

Dann hat Technologie nicht die eigene Orientierung ersetzt.

Sie hat möglicherweise dazu beigetragen, dass sie deutlicher wahrnehmbar wurde.

Und manchmal kann das Gegenteil geschehen

Natürlich gibt es auch eine andere Möglichkeit.

Vielleicht wird es immer leichter, eine schwierige Frage noch einmal an eine KI zu stellen, anstatt mit der Unsicherheit einer eigenen Entscheidung zu bleiben.

Vielleicht wird der digitale Austausch attraktiver als eine Begegnung, in der wir nicht wissen, wie der andere reagieren wird.

Oder wir beginnen, Antworten stärker zu vertrauen als unserer eigenen Wahrnehmung.

Auch das müssen wir nicht sofort bewerten.

Wir können es zunächst bemerken.

Was suche ich gerade?

Information?

Beruhigung?

Bestätigung?

Kontakt?

Eine Entscheidung?

Oder vielleicht jemanden – oder etwas –, das mir die Unsicherheit für einen Moment abnimmt?

Kinder und Jugendliche

Für Kinder und Jugendliche wird diese Frage noch bedeutsamer.

Sie wachsen in einer Welt auf, in der Gespräche mit KI möglicherweise ebenso selbstverständlich werden wie Suchmaschinen und soziale Medien für frühere Generationen.

Damit wird nicht nur Medienkompetenz wichtig.

Auch die Fähigkeit, die eigene Erfahrung wahrzunehmen, gewinnt an Bedeutung.

Was denke ich selbst?

Was empfinde ich?

Wann möchte ich eine Antwort?

Wann brauche ich einen anderen Menschen?

Was glaube ich von dem, was mir ein System sagt?

Und wie gehe ich damit um, wenn ich etwas nicht weiß?

Vielleicht gehört zu einem kompetenten Umgang mit KI deshalb nicht nur zu verstehen, wie Technologie funktioniert.

Sondern auch, immer wieder wahrnehmen zu können:

Wie bin ich mit mir selbst, während ich sie benutze?

Eine NARM-Perspektive auf KI

Das NeuroAffective Relational Model (NARM™) beschäftigt sich nicht mit Künstlicher Intelligenz als Technologie.

Seine Perspektive auf gegenwärtiges Erleben und Beziehung bietet für mich jedoch interessante Fragen für unseren Umgang damit.

Was möchte ich?

Was suche ich?

Was geschieht mit mir in diesem Kontakt?

Welche vertrauten Muster tauchen auf?

Und erweitert die Art, wie ich KI nutze, meine Wahlmöglichkeiten – oder werden sie enger?

Darauf gibt es wahrscheinlich keine allgemeingültige Antwort.

Vielleicht verändert sie sich sogar von Moment zu Moment.

Vielleicht ist nicht die Technologie allein die entscheidende Frage

KI wird sich weiterentwickeln.

Unsere Möglichkeiten, mit ihr zu sprechen und zu arbeiten, vermutlich ebenfalls.

Umso interessanter erscheint mir eine andere Entwicklung:

Wie bewusst werden wir Menschen darin, wie wir diese Möglichkeiten nutzen?

Vielleicht kann KI uns unterstützen.

Beim Denken.

Beim Lernen.

Beim Schreiben.

Beim Reflektieren.

Und vielleicht erinnert gerade eine Technologie, die menschliche Sprache immer überzeugender verwenden kann, uns an eine besondere Qualität menschlicher Begegnung:

Wir begegnen nicht nur Worten.

Wir begegnen einem anderen Menschen.

Mit einer eigenen Geschichte.

Einem eigenen Erleben.

Eigenen Grenzen.

Und einer Wirklichkeit, die nicht vollständig unserer eigenen entspricht.

Vielleicht liegt gerade darin etwas, das Beziehung manchmal schwierig macht.

Und gleichzeitig lebendig.

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Rafael Prentki
Heilpraktiker für Psychotherapie · NARM™ Practitioner

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