Entwicklungstrauma – Wenn das Leben funktioniert, sich aber innerlich nicht stimmig anfühlt

Manchmal läuft alles – und trotzdem fühlt es sich innerlich nicht stimmig an

Du funktionierst im Alltag, übernimmst Verantwortung und kümmerst dich um andere. Nach außen scheint vieles zu laufen. Und trotzdem gibt es Momente, in denen du dich erschöpft, angespannt oder von dir selbst entfernt fühlst.

Vielleicht fällt es dir schwer, zur Ruhe zu kommen. Vielleicht zweifelst du trotz Erfolg immer wieder an dir. Vielleicht wünschst du dir Nähe und ziehst dich gleichzeitig zurück, wenn jemand wirklich wichtig wird.

Vielleicht kennst du auch das Gefühl, dass dein Leben zwar funktioniert, sich aber nicht wirklich wie dein eigenes anfühlt.

Viele Menschen erleben solche inneren Widersprüche. Entwicklungstrauma kann helfen, diese Erfahrungen besser zu verstehen.


Was ist Entwicklungstrauma?

Entwicklungstrauma entsteht meist nicht durch ein einzelnes belastendes Ereignis.

Vielmehr entwickelt es sich häufig in frühen Beziehungen – dort, wo wir lernen, wer wir sind, wie wir mit anderen Menschen in Kontakt treten und welchen Platz wir in der Welt haben.

Wenn wichtige Bedürfnisse nach Nähe, Schutz, Unterstützung oder Gesehenwerden nur eingeschränkt erfüllt werden konnten, lernen Kinder oft, sich anzupassen, um Verbindung und Zugehörigkeit aufrechtzuerhalten.

Vielleicht lernt ein Kind, stark zu sein und niemanden zu brauchen. Vielleicht lernt es, sich über Leistung Anerkennung zu sichern oder die Bedürfnisse anderer wichtiger zu nehmen als die eigenen.

Manchmal lernt ein Kind auch, dass die eigene Aufmerksamkeit, die eigenen Gefühle oder die eigene Lebendigkeit weniger wichtig sind als die Bedürfnisse der Menschen um es herum.

Diese Anpassungen sind keine Fehler.

Sie waren oft die bestmögliche Antwort auf die Situation von damals.


Entwicklungstrauma im Erwachsenenalter

Die Folgen von Entwicklungstrauma zeigen sich häufig nicht als bewusste Erinnerung an die Vergangenheit.

Sie zeigen sich in unserem heutigen Erleben – im Umgang mit uns selbst, in Beziehungen und im Kontakt mit anderen Menschen.

Vielleicht kennst du:

  • das Gefühl, ständig funktionieren zu müssen,
  • Schwierigkeiten, eigene Bedürfnisse wahrzunehmen,
  • starke Selbstzweifel oder Scham,
  • Angst vor Ablehnung oder Kritik,
  • Schwierigkeiten mit Nähe oder Vertrauen,
  • innere Anspannung trotz äußerer Stabilität,
  • das Gefühl, sich in Beziehungen immer wieder selbst zu verlieren,
  • oder die Sehnsucht, sich endlich wieder lebendig zu fühlen.

Oft geht es dabei nicht darum, dass etwas mit uns nicht stimmt.

Vielmehr wirken Anpassungen weiter, die früher geholfen haben, Sicherheit und Verbindung zu erhalten. Manchmal führen sie jedoch dazu, dass wir den Kontakt zu unserem eigenen Erleben immer mehr verlieren.


Entwicklungstrauma und Beziehungen

Frühe Beziehungserfahrungen prägen häufig, wie wir später Beziehungen erleben.

Manche Menschen ziehen sich zurück, obwohl sie sich Nähe wünschen. Andere orientieren sich stark an den Bedürfnissen anderer und verlieren dabei den Kontakt zu sich selbst.

Wieder andere haben das Gefühl, ständig leisten oder funktionieren zu müssen, um Anerkennung und Zugehörigkeit zu erhalten.

Diese Muster entstehen nicht aus Schwäche.

Oft waren sie einmal sinnvolle Strategien, um mit schwierigen Situationen umzugehen.

Viele Menschen entdecken erst im Erwachsenenalter, dass sie zwar gelernt haben, für andere da zu sein – jedoch kaum erfahren konnten, wie es sich anfühlt, einfach sie selbst zu sein.


Entwicklungstrauma aus NARM-Perspektive

NARM (NeuroAffective Relational Model) wurde speziell für die Arbeit mit Entwicklungstrauma entwickelt.

Im Mittelpunkt steht nicht die Frage:

„Was ist falsch mit mir?“

Sondern:

„Wie habe ich gelernt, mit den Herausforderungen meines Lebens umzugehen – und wie beeinflusst das mein Erleben heute?“

Dabei richtet sich der Blick nicht in erster Linie auf die Vergangenheit.

NARM interessiert sich für das, was gerade geschieht.

Wie erlebst du dich in diesem Moment?

Was passiert in dir, wenn du über ein bestimmtes Thema sprichst?

Wie ist es, mit dem da zu sein, was gerade auftaucht?

Gemeinsam erforschen wir das gegenwärtige Erleben. Dabei werden oft die Anpassungen sichtbar, die früher hilfreich waren und heute noch wirksam sind.

Nicht weil wir nach ihnen suchen.

Sondern weil sie sich im Hier und Jetzt zeigen.

Viele Menschen entdecken dabei nicht nur ihre Schutzstrategien. Sie erleben oft zum ersten Mal wieder deutlicher, was sie selbst fühlen, möchten oder brauchen.

So kann Schritt für Schritt der Kontakt zum eigenen Erleben wieder wachsen.

NARM geht davon aus, dass die Fähigkeit zu Verbindung, Lebendigkeit und Kontakt bereits in uns vorhanden ist.

Die Arbeit besteht deshalb nicht darin, etwas zu reparieren.

Vielmehr entsteht Raum, sich selbst bewusster wahrzunehmen und neue Erfahrungen mit sich selbst zu machen.

Nicht, ein anderer Mensch zu werden.

Sondern sich selbst wieder näherzukommen.


Entwicklungstrauma – Therapie in Berlin und online

In meiner Praxis begleite ich Menschen mit den Folgen von Entwicklungstrauma sowie mit Themen wie Beziehungsproblemen, Scham, Leistungsdruck, Erschöpfung, Burnout oder Selbstzweifeln.

Die Begleitung orientiert sich am NARM-Modell und schafft Raum für eine gemeinsame Erforschung dessen, was im Hier und Jetzt geschieht.

Nicht die Diagnose steht im Mittelpunkt.

Nicht das Funktionieren.

Sondern die Begegnung mit sich selbst.

Die Begleitung ist online oder in Präsenz in Berlin möglich.


Ein erster Schritt

Vielleicht erkennst du dich in einigen dieser Beschreibungen wieder.

Dann musst du nichts verändern und keine Entscheidung treffen.

Vielleicht genügt zunächst die Frage:

Wie wäre es, dem eigenen Erleben mit etwas mehr Neugier zu begegnen?

Manchmal beginnt Veränderung nicht damit, ein anderer Mensch zu werden.

Sondern damit, sich selbst wieder etwas näherzukommen.

Wenn du mehr über Entwicklungstrauma erfahren oder herausfinden möchtest, ob eine Begleitung für dich sinnvoll sein könnte, freue ich mich auf deine Nachricht.

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Rafael Prentki
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