Einleitung – Verlust als Teil unseres Menschseins
Verlust gehört zu unserem Leben. Trauer zu bewältigen und mit Verlust umzugehen ist eine Erfahrung, die wir alle früher oder später machen.
Manchmal geschieht Verlust leise, fast unmerklich, wenn eine Lebensphase endet oder wir uns von einer vertrauten Umgebung verabschieden. Manchmal reißt er uns mitten aus dem Leben, wenn ein geliebter Mensch geht oder eine Beziehung zerbricht.
Es gibt kein „richtiges“ Maß an Trauer, keine Geschwindigkeit, mit der wir „fertig sein“ sollten. Alles, was sich zeigt, hat seinen Platz. Trauer braucht Zeit – und sie darf in Wellen kommen und gehen.
Doch oft liegt hinter dem aktuellen Schmerz noch eine tiefere Schicht: Erinnerungen an frühere Momente, in denen wir uns allein, verlassen oder unerkannt fühlten. Verlust kann alte Erfahrungen wieder sichtbar machen – Zeiten, in denen wir uns nicht gehalten oder gesehen gefühlt haben.
In der NARM-Perspektive ist Verlust zunächst eine Wunde. Und doch kann er, nach und nach, auch zu einer Einladung werden – uns wieder sanfter mit uns selbst zu verbinden.
Die NARM-Perspektive – ein neuer Blick auf Verlust und Trauer
NARM (NeuroAffective Relational Model) ist ein therapeutischer Ansatz für Entwicklungstrauma, entwickelt von Laurence Heller und Aline LaPierre. Im Zentrum steht die Frage: Wie können wir in Verbindung bleiben – mit uns selbst und mit anderen – auch angesichts von Schmerz und Verlust?
Aus NARM-Sicht ist Trauma nicht nur das, was uns widerfahren ist. Ebenso prägend sind die Strategien, die wir entwickeln mussten, um mit unerträglichen Gefühlen umzugehen. Indem wir Gefühle abspalten, uns anpassen oder versuchen, alles zu kontrollieren, schützen wir uns. Diese Strategien waren damals wichtig und halfen uns zu überleben – heute können sie uns jedoch auch den Zugang zu uns selbst und zu unserer Lebendigkeit erschweren.
Was uns früher geschützt hat, kann uns heute jedoch auch einengen. Wir verlieren manchmal den Zugang zu unserer inneren Lebendigkeit, zu unseren Bedürfnissen und zu dem, was uns wirklich nährt.
NARM lädt uns ein, diese Muster behutsam wahrzunehmen – nicht als Fehler, sondern als Ausdruck unserer damaligen Überlebensintelligenz. Indem wir ihre Bedeutung verstehen, entsteht Raum für etwas Neues: mehr Verbindung, mehr Mitgefühl, mehr Nähe.
Verlust im äußeren Leben – wie wir Trauer erleben
Verluste haben viele Gesichter. Wir begegnen ihnen, wenn ein geliebter Mensch stirbt, wenn eine Beziehung zerbricht, wenn Krankheit unseren Alltag verändert oder wenn ein vertrauter Lebensabschnitt zu Ende geht.
Solche Erfahrungen erschüttern nicht nur die äußere Ordnung, sie werfen uns auch auf uns selbst zurück. Wir spüren die Leere, die entsteht, wenn etwas Vertrautes wegfällt.
In diesen Momenten können alte Gefühle wieder auftauchen – Einsamkeit, das Empfinden von Verlassenheit oder das Gefühl, nicht getragen zu sein. Ein Verlust fühlt sich selten nur nach Gegenwart an. Oft schwingen Erinnerungen an früher mit, die den Schmerz noch vertiefen.
Wenn du das bei dir bemerkst: Es bedeutet nicht, dass etwas mit dir nicht stimmt. Es zeigt nur, dass dein Inneres sehr feinfühlig reagiert. Viele Menschen kennen das – du bist in dieser Erfahrung nicht allein.
Verlust in der inneren Erfahrung – alte Wunden verstehen
Wenn wir einen äußeren Verlust erleben, rührt er oft an etwas Tieferes in uns. Unter dem aktuellen Schmerz liegen Erinnerungen an alte Erfahrungen: das Gefühl, nicht gesehen, nicht verstanden oder nicht gehalten zu sein.
In solchen Momenten tauchen Überzeugungen auf, die wir früh entwickelt haben – Vorstellungen darüber, wie wir sein müssen, um angenommen zu werden. Vielleicht glaubst du, stark sein zu müssen. Vielleicht hältst du Gefühle zurück, um niemanden zu belasten. Vielleicht passt du dich an, um nicht verlassen zu werden.
Diese Strategien hatten damals einen Sinn: Sie halfen uns, mit Überforderung umzugehen und Beziehungen zu bewahren. Heute jedoch können sie uns manchmal den Zugang zu uns selbst erschweren.
Verlust in der inneren Erfahrung – alte Wunden verstehen
Wenn wir einen äußeren Verlust erleben, rührt er oft an etwas Tieferes in uns. Unter dem aktuellen Schmerz liegen Erinnerungen an alte Erfahrungen: das Gefühl, nicht gesehen, nicht verstanden oder nicht gehalten zu sein.
In solchen Momenten tauchen Überzeugungen auf, die wir früh entwickelt haben – Vorstellungen darüber, wie wir sein müssen, um angenommen zu werden. Vielleicht glaubst du, stark sein zu müssen. Vielleicht hältst du Gefühle zurück, um niemanden zu belasten. Vielleicht passt du dich an, um nicht verlassen zu werden.
Diese Strategien hatten damals einen Sinn: Sie halfen uns, mit Überforderung umzugehen und Beziehungen zu bewahren. Heute jedoch können sie uns manchmal den Zugang zu uns selbst erschweren.
NARM lädt uns ein, diesen Mustern mit Neugier zu begegnen. Wir können sie als Ausdruck unserer damaligen Überlebensintelligenz würdigen – und gleichzeitig prüfen, ob sie uns im Heute noch dienen. Schon die Erkenntnis „Ah, so mache ich das“ kann entlastend sein.
Indem wir beginnen, unsere Bedürfnisse ernst zu nehmen und unsere innere Wahrheit auszudrücken, können wir den Verlust nach und nach anerkennen. So entsteht Raum, Verlust und Trauer zu verarbeiten – und Platz für etwas Neues: mehr Verbindung, mehr Mitgefühl, mehr Nähe.
Typische Muster im Umgang mit Verlust
Wenn wir einen Verlust erleben, greifen wir oft auf alte Schutzstrategien zurück – manchmal ohne es zu merken. Manche Menschen ziehen sich innerlich zurück und fühlen wie betäubt. Andere versuchen, stark zu sein, passen sich an oder halten alles im Griff. Wieder andere suchen Ablenkung oder Nähe, um das Schwere erträglicher zu machen.
Aus NARM-Sicht sind all diese Reaktionen nicht falsch. Sie zeigen vielmehr, wie wir einst gelernt haben, mit überwältigenden Gefühlen umzugehen. Diese Muster waren damals wichtig, um uns zu schützen. Heute können wir sie mit mehr Bewusstsein betrachten – und Schritt für Schritt prüfen, ob sie uns noch dienen.
Wenn du bemerkst, wie du auf Verlust reagierst, bedeutet das nicht, dass du versagt hast. Es zeigt nur, dass dein Inneres sehr klug versucht, dich zu schützen. Allein das Erkennen kann schon entlastend sein – und es öffnet eine Tür für neue Erfahrungen.
Wie NARM unterstützt – Schritte zur Verarbeitung von Verlust
Es ist verständlich, wenn es schwerfällt, Gefühle von Verlust zuzulassen. NARM lädt uns ein, behutsam mit uns selbst in Verbindung zu kommen – auch wenn Schmerz, Trauer oder alte Verletzungen auftauchen. Es geht nicht darum, schnell wieder „funktionieren“ zu müssen. Vielmehr öffnet NARM einen Raum, in dem wir spüren dürfen, was in uns lebt: Bedürfnisse, Gefühle, Sehnsüchte – nach und nach.
- Im Hier und Jetzt bleiben – präsent sein mit dem, was gerade da ist.
- Mitgefühl für uns selbst entwickeln – uns mit Wärme und Verständnis begegnen.
- Wahlfreiheit zurückgewinnen – neue Wege einschlagen können.
- Innere Ressourcen entdecken – eigene Stärken wieder spüren.
- Unterstützung zulassen – Bedürfnisse benennen und Hilfe von außen annehmen.
Das alles sind Einladungen, keine Pflichten. Du darfst dir Zeit lassen. So entsteht ein sicherer Rahmen, in dem Trauer nicht nur erträglicher wird, sondern manchmal – mit der Zeit – auch zu Heilung, Wachstum und neuer Verbindung führen kann.
Eine Einladung an dich
Verlust kann uns zutiefst erschüttern und alte Wunden berühren. Und gleichzeitig kann er mit der Zeit auch ein Raum sein, in dem Heilung, Selbsterkenntnis und innere Stärke wachsen.
Trauer zu bewältigen bedeutet nicht, stark sein zu müssen. Trauer und innere Stärke schließen sich nicht aus – sie können einander stützen.
Wenn du gerade selbst Verlust erlebst: Du bist nicht allein. Alles, was du empfindest, darf da sein. Und du musst diesen Weg nicht alleine gehen.
Wenn du spürst, dass du Unterstützung brauchst, melde dich gern – gemeinsam können wir schauen, was es braucht, um wieder mehr Verbindung in dir selbst und in deinem Leben zu entdecken. Kontaktiere mich hier.
Rafael Prentki – Heilprakitker Psychotherapie