Wie KI unsere Art, in Beziehung zu sein, verändert
Ein ruhiger Blick aus der NARM-Perspektive
Wie verändert Künstliche Intelligenz unsere Art, in Beziehung zu sein – zu uns selbst, zu anderen und zur Welt?
Dieser Text lädt zu einem ruhigen, neugierigen Blick ein – jenseits von Euphorie und Angst.
Einleitung
Künstliche Intelligenz ist längst Teil unserer Gegenwart. Sie begleitet uns in vielen Momenten des Alltags – manchmal im Hintergrund, manchmal ganz offensichtlich. Was vor wenigen Jahren noch wie eine ferne Zukunftsvision wirkte, ist heute so selbstverständlich wie Strom oder Internet.
Wir diktieren Nachrichten ins Smartphone, lassen uns erinnern, strukturieren unsere Arbeit mit digitalen Programmen oder fragen eine KI nach Ideen, wenn wir selbst gerade keine finden.
Die Frage ist daher nicht mehr, ob wir KI nutzen – sondern wie wir uns zu ihr in Beziehung setzen.
Allein diese Perspektive verändert etwas. Sie lädt dazu ein, innezuhalten und wahrzunehmen, was der Kontakt mit KI in uns auslöst: Neugier, Skepsis, Faszination, Widerstand – oder eine Mischung aus allem.
Und du selbst?
Wenn du an deinen Alltag denkst: Wie erlebst du deine Beziehung zu KI? 🤖
Zwischen Erleichterung und Sorge – Chancen und Risiken
Auf gesellschaftlicher Ebene zeigt sich diese Ambivalenz besonders deutlich.
KI kann entlasten: Sie übernimmt Routineaufgaben, schafft Ordnung, erkennt Muster, eröffnet kreative Möglichkeiten. Manche verbinden mit ihr sogar die Hoffnung auf mehr Sicherheit – etwa durch frühzeitiges Erkennen von Risiken.
Gleichzeitig kann dieselbe Technologie zur Kontrolle missbraucht werden. Sie kann Macht absichern, Überwachung ermöglichen oder autoritäre Strukturen stärken. Was für die einen ein Werkzeug der Erleichterung ist, kann für andere zu einem Mittel der Einschränkung werden.
Damit stehen wir vor einer grundlegenden Frage:
Wie wollen wir diese Entwicklung gestalten – individuell und gesellschaftlich? 🌱
KI und menschliche GrundbedĂĽrfnisse
Als Menschen sind wir nicht nur von körperlichen Bedürfnissen geprägt, sondern auch von tiefen zwischenmenschlichen:
Kontakt, Orientierung, Vertrauen, Autonomie, Zugehörigkeit.
Genau hier berĂĽhrt KI etwas in uns.
Sie gibt Orientierung, wenn wir Antworten suchen.
Sie vermittelt Sicherheit, wenn sie Struktur schafft.
Manchmal entsteht sogar ein Gefühl von Nähe, wenn sie in Sprache antwortet – beinahe so, als wäre ein Gegenüber da.
Für manche Menschen wirkt das stabilisierend. Über längere Zeit kann sich etwas entwickeln, das sich wie eine Beziehung anfühlt: verlässlich, verfügbar, vorhersehbar. Die Faszination liegt dabei nicht nur in der Effizienz, sondern auch im Gefühl, verstanden zu werden – ohne sich erklären zu müssen.
Bedürfnisse bewusst verstehen – eine NARM-Perspektive
In NARM geht es nicht nur darum, ob Bedürfnisse erfüllt werden, sondern wie wir mit ihnen in Kontakt bleiben. Bedürfnisse sind keine Defizite – sie sind Brücken. Sie verbinden uns mit uns selbst und mit der Welt.
Menschliches Erleben bewegt sich dabei immer in Spannungen:
zwischen Nähe und Distanz,
zwischen Anpassung und Freiheit,
zwischen Sicherheit und Risiko.
Wenn wir diese Spannungen bewusst halten können, entsteht Selbstwirksamkeit. Wir spüren Wahlmöglichkeiten und erleben uns als aktiv Beteiligte unseres Lebens – nicht nur als Reagierende.
Eine sichere Welt entsteht nicht dadurch, dass Spannungen verschwinden, sondern dadurch, dass wir lernen, ihnen bewusst zu begegnen.
Mehr zu NARM™ findest du auf der offiziellen Seite: narmtraining.com
KI als Spiegel unserer Beziehungsmuster
KI kennt uns auf eine Weise, die manchmal verblĂĽffend ist. Sie erkennt Muster, erinnert sich an unsere Fragen, formuliert Antworten, die so passend wirken, dass wir uns gesehen fĂĽhlen.
Sie ist verfügbar, zuverlässig, anpassungsfähig. Sie widerspricht nicht, stellt keine eigenen Bedürfnisse. So kann der Eindruck entstehen, in Beziehung zu sein – mit einer Art „perfektem Gegenüber“.
Doch genau hier lohnt ein genauer Blick:
Was erleben wir dabei wirklich? Nähe – oder Bestätigung? Kontakt – oder Spiegelung?
Beziehung ohne Reibung – Chancen und Grenzen
Menschliche Beziehungen sind lebendig – und deshalb nicht reibungslos.
Unterschiede, Missverständnisse, Grenzen gehören dazu. Gerade in dieser Reibung entsteht Entwicklung.
Die Beziehung zu KI ist dagegen auffallend glatt. Sie passt sich an, bestätigt, bleibt im Rahmen des Erwartbaren. Das kann entlastend sein – besonders für Menschen, die Nähe als unsicher erlebt haben.
Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass sich innere Schleifen verfestigen. KI kann uns immer wieder bestätigen, ohne uns wirklich herauszufordern. Die Frage aus NARM-Sicht lautet daher:
Führt mich diese Beziehung zu mehr Lebendigkeit – oder zu weniger? 🌱
Wenn menschlicher Kontakt zu viel erscheint
Für manche Menschen fühlt sich echte Nähe überwältigend an. Sie berührt alte Verletzungen, Unsicherheiten oder Erfahrungen von Überforderung. Dann kann der Rückzug in eine KI-Beziehung sicher erscheinen: stabil, kontrollierbar, ohne Risiko.
Das ist verständlich. Und zugleich lohnt es sich, behutsam hinzuschauen. Denn Entwicklung geschieht dort, wo wir in Kontakt bleiben – mit uns selbst und mit anderen. In NARM geht es genau darum: einen sicheren Rahmen zu schaffen, in dem Nähe und Autonomie gemeinsam erforscht werden können.
Echte Beziehungen und KI – ein wesentlicher Unterschied
KI kann BedĂĽrfnisse ansprechen.
Echte Beziehungen fordern uns heraus.
Lebendige Begegnung beinhaltet Überraschung, Unvorhersehbarkeit und manchmal auch Enttäuschung. Genau darin liegt ihre Tiefe. KI bleibt berechenbar. Sie kann unterstützen – aber sie kann nicht wachsen, sich verändern oder mit uns in echte Resonanz treten.
KI als Spiegel alter Muster
Wenn wir mit KI arbeiten, zeigt sich oft weniger die Technik als vielmehr wir selbst.
Unsere Fragen, unsere SehnsĂĽchte, unsere Strategien werden sichtbar.
Diese Muster haben Geschichte. Sie sind geprägt von früheren Beziehungserfahrungen – von dem, was uns einmal geschützt hat. Manche dieser Strategien trennen uns heute eher von lebendiger Verbindung.
NARM lädt dazu ein, zwischen alten Spuren und gegenwärtiger Realität zu unterscheiden. Wenn wir uns mehr mit Körper, Empfindungen und aktuellem Erleben verbinden, entsteht ein neues Gefühl von Freiheit – im Kontakt mit KI, aber vor allem im Kontakt mit Menschen.
Revolutionär – aber wohin?
KI entwickelt sich rasant.
Doch die entscheidende Frage bleibt menschlich:
Wie entwickeln wir uns mit?
Lassen wir uns treiben – oder nutzen wir diesen Wandel, um bewusster mit uns selbst in Kontakt zu kommen?
Zum Menschen zurĂĽckkehren
So faszinierend KI ist – wir bleiben leibliche Wesen.
Wir brauchen Schlaf, Nahrung, BerĂĽhrung, echte Begegnung.
KI kann vieles erleichtern. Sie kann uns aber nicht anschauen, nicht halten, nicht in unserer Verletzlichkeit antworten. Vielleicht liegt genau darin die Einladung: KI als Werkzeug zu nutzen, ohne den Kontakt zu unserer Lebendigkeit zu verlieren.
Gerade als Eltern tragen wir Verantwortung. Kinder wachsen in einer Welt auf, in der KI selbstverständlich ist. Umso wichtiger ist es, ihnen vorzuleben, dass Selbstwahrnehmung, Beziehung und bewusstes Entscheiden unersetzlich sind.
Fazit
KI kann unterstĂĽtzen, strukturieren, spiegeln.
Sie ersetzt jedoch nicht das, was uns menschlich macht.
Wenn wir sie bewusst nutzen, kann sie uns helfen, uns selbst besser zu verstehen – und klarer zu entscheiden, wo wir echte Verbindung suchen.
Heilung geschieht dort, wo wir uns bewusst in Richtung Kontakt, Beziehung und Lebendigkeit bewegen – für uns selbst und für kommende Generationen.
Vielleicht magst du dir einen Moment Zeit nehmen und nachspĂĽren:
Wie erlebst du deine Beziehungen – zu dir selbst, zu anderen und vielleicht auch zu KI? 🤖
Rafael Prentki
Heilpraktiker für Psychotherapie · NARM™ Practitioner



