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      Kontakt und Trennung besser verstehen, welche Rolle hat Verbindung in unserem Leben?

      Das Thema des Kontakts und der Trennung ist zentral aus der Sicht der Entwicklungstrauma Methode, der Selbsterfahrung und Heilung. Um Euch eine bessere Idee davon zu vermitteln, welche Rolle Verbindung für uns hat, ist es hilfreich zunächst zu verstehen, dass wir von 5 Grundbedürfnissen ausgehen können, Kontakt, Einstimmung, Vertrauen, Autonomie, Liebe und Sexualität, die fortwährend eine große Bedeutung in unserem Leben spielen.

      Wir sind Wesen, die ihre Bedürfnisse im Kontakt zu uns selbst und in unseren sozialen Beziehungen erfüllen, dies tun wir seit unserer Geburt. Verbundenheit ist ein natürlicher und gleichzeitig wesentlicher Bestandteil unseres Seins. Sicherheit beeinflußt Verbindung, das soziale Verhalten sowie unsere Beziehungen. Je sicherer wir uns fühlen, umso mehr Kontakt haben wir und um so mehr Lebendigkeit und erfüllt sein erleben wir.

      Die Dynamik von Kontakt und Trennung

      Nun lasst uns zunächst theoretisch an diese Dynamik nähern. Viele komplexe Aspekte der Entwicklungstraumata lassen sich auf das Grundthema des Kontakts und Trennung zurückführen. Das Paradoxe daran ist, dass wir uns von unseren Kernbedürfnissen, wie Kontakt, Einstimmung auf unsere Bedürfnisse, von unserem Körper, von uns selbst und Anderen trennen, oft ohne dies zu merken. Wir trennen uns, um uns zu schützen und sogar um unsere Leben als Kinder zu retten. Wir tun es aus Notwendigkeit, als ob wir keine andere Wahl hätten, es handelt sich um eine Schutzreaktion. Das Problem daran ist, dass wir uns fortlaufend trennen, auf alle mögliche Art und Weise, lange nach dem es in der Vergangenheit notwendig war. Wir wiederholen diese Dynamik immer und immer wieder.

      Mittlerweile können wir die Behauptung anstellen, dass die meisten der auftretenden Symptome sich auf diese Dynamik der Trennung zurückführen lassen. Diese im Körper ablaufende Dynamik versuchen wir, als NARM Therapeuten zu verfolgen und sie zu reflektieren.

      Definition von Kontakt und Trennung

      Es geht hierbei, um die Fähigkeit sich mit unseren Gefühlen zu verbinden und im Kontakt mit unserem Körper zu sein. In Verbindung sein, bedeutet aber auch intime, also emotionale Bindungen mit Anderen einzugehen. Das Interessante an der Trennungsdynamik ist, dass dieser Prozess durch den Körper geht. Trennung ist ein Körperprozeß. Wir alle kennen den Moment der Unsicherheit, bzw. der Angst, während wir unseren Atem anhalten. Das ist eine Art der Trennung, bei der wir weniger fühlen. Wenn wir noch dabei unsere Muskeln anspannen, nimmt zunehmend unsere Wahrnehmung ab, schließlich auch das soziale Verhalten.

      Hierbei wird auch deutlich, warum wir als NARM Therapeuten nicht in die Emotionen puschen, wir beabsichtigen die Verbindung nicht. Vielmehr wollen wir helfen beim Erforschen der Trennung und ihrer Gründe. Erfahrungen und Erkenntnisse, welche wir dabei machen ermöglichen, wiederum Selbstregulierung. Auf eine natürliche Weise strebt unser Organismus von alleine nach Lebenskraft und Verbindung. Interessanterweise glauben wir, getrennt zu sein, was wir jedoch nie wirklich sind.

      Verbindung schafft Weite und neue Perspektiven

      Wenn wir also beginnen an diesen alten Mustern zu arbeiten, die uns in der Kindheit beschützt haben, fangen wir an, uns mit uns selbst zu verbinden, mit unserem Körper und unseren Emotionen. In diesem Zustand des seins, kann es auch vorkommen, dass wir erfahren, dass dahinter etwas Größeres ist, als wir selbst. Dies geschieht ganz spontan.

      Trennung und die 5 Überlebensstrategien

      Indem wir unsere Kernbedürfnisse aufgeben, entwickeln wir spezielle Verhaltensweisen, oder Anpassungsstrategien, sogenannte Überlebensstrategien. All die einst entwickelten Überlebensstrategien spiegeln die Trennung von unseren Kernbedürfnissen wider. Äußern wir diese, so sind wir unsicher und nicht mit uns verbunden. Noch im Bauch sprich pränatal entwickeln wir instinktiv den Kontakt zu unsrem Kern. Es geht um das Grundbedürfnis nach Verbindung zu uns selbst. In dieser Phase, sprich bis ca. 0,5 Jahren benötigen wir hauptsächlich Sicherheit, Ruhe, Nähe und ein gewollt sein, also Kontakt. Durch dauerhaft fehlende Einstimmung von außen, Zurückweisung, Mangel an Kontakt, Nähe oder durch Stress, erfahren wir, dass die Verbindung zu unseren Emotionen und unseren Körper gefährlich sein kann. Hierfür mangelt es uns eben an Sicherheit.

      Bei permanenten Einflüssen dieser Art, bleibt uns keine andere Wahl, als uns von diesem Bedürfnis zu trennen und in die Strategie zu flüchten. Dabei werden wir durch unser Nervensystem reguliert. Wir entwickelten also eine notwendige Überlebensstrategie, wie das Vermeiden des Fühlens, ein Ausweichen auf das Denken, sozialer Rückzug etc. Aber auch Glaubenssätze, wie „ich bin ein toller Denker, ich analysiere besonders gut, Vernunft ist alles“, diese sogenannte auf stolz basierte Identifikation beruht somit auf der Basis Angst zu sein und zu fühlen.

      Es handelt sich hierbei um das frühestmögliche Trauma und das der am meisten Tiefgreifende. Traditionell nennen wir diese Art von Trennung Dissoziation. Aus ihr können wir wirklich verstehen, wie sehr uns das geholfen hat zu überleben.

      Weiter in der Entwicklung eines Kindes entsteht zunehmend das Bedürfnis nach Einstimmung zu unseren Emotionen und Bedürfnissen, dem Bedürfnis nach Vertrauen sowie der Fähigeikt des Zutrauens, dem Bedürfnis nach Autonomie, Nein zu sagen und Grenzen zu setzen und schließlich nach Liebe und Sexualität. Auf diese Aspekte bin ich in anderen Artikeln näher eingegangen. Siehe auch Artikel Burnout und die Autonomiestruktur.

      Was wir als NARM Therapeuten unterstützen ist die Fähigkeit wieder eine Wahl haben zu können, die wir einst verloren haben. Es geht uns nicht darum die Bedürfnisse zu jeder Zeit auszudrücken, aber die Wahl zu haben, sie zu äußern, oder auch nicht. Andernfalls reagieren sie automatisch.

      Wir können demnach behaupten, dass Trennung ein kindlicher Mechanismus ist. Wir können unsere Klienten dabei unterstützen, das zu ergründen, was der Verbindung zu unseren Körpern im Wege steht, aber wir können sie nicht in die Körper bringen. Dies lässt sich besonders bei zielorientierten Methoden beobachten. Ein Pushen kann den Zustand verschlimmern, da sie die Schutzmechanismen samt ihren Mustern und Glaubenssätzen runterreißen. Unser Fokus liegt auf dem Erkennen und Verstehen, dass wir als Kinder unser Herz nicht öffnen konnten und als Erwachsene wir viel mehr an Möglichkeiten haben. Und so stärken wir das verkörperte erwachsene Bewusstsein, welches sich nach und nach aus den Überlebensstrategien und verzerrten Identifikation rausbewegt in das mehr „Hier und jetzt“ und in einen objektiven Sinn von uns selbst und der Welt.

      Solange wir von uns selbst weglaufen und uns in der Trennung sicher wiegen, erschaffen wir in der Gegenwart die alte Atmosphäre, welche uns damals veranlasst hat, uns zu trennen. Dies bringt die Natur des Traumas mit sich. Sie ist gleichzeitig eine immer wiederkehrende Chance aus ihr zu lernen und aus ihr heraus neue Möglichkeiten zu erkennen und so anders wirksam zu sein..

      Trennung und Kerndilemma

      Als Kinder lernen wir, dass es in der Familiensituation gefährlich sein kann, einige der Bedürfnisse auszudrücken. Dass es gefährlich sein kann, sie zu zeigen, da sie angegriffen werden, ignoriert, zurückgewiesen, oder wir einfach die damit zusammenhängende Wut nicht permanent aufrecht halten können. Wir weisen uns von uns selbst und unseren Bedürfnissen und Teilen ab, in dem wir die Versorger als gut betrachten und damit die Bindung zu ihnen erhalten. Das Kind möchte überleben und geliebt werden, daher steht das Bedürfnis gegen die Bindung zu unseren Eltern, oder Versorgern. Die Entscheidung, wobei es keine wirkliche ist, ist es sich von uns zu trennen. Dieser Instinkt ermöglicht uns zu überleben. Wir lernen, dass wir dabei etwas falsch machen und wir daher die Schlechten sind, dass wir verlieren, oder sterben wenn wir dauerhaft kämpfen. Das nennen wir ein Kerndilemma, was sich fortwährend in unserem Nervensystem widerspiegelt, Spannungen und Symptome verursacht. Der alte Schutz der Bindung ist in uns verankert und spiegelt selbst unsere Konflikte in den gegenwärtigen Beziehungen wider.

      Und so frage ich einen Klienten, der ausgebrannt in die Behandlung kommt. Haben sie jemals dem Chef gesagt, ich übernehme die Aufgabe nicht und ich kann das nicht und dies nicht mehr? Ich habe keine Zeit dafür. Oft bekomme ich die Antwort, nein, sie haben es nicht getan. Hier sehen wir, dass diese Menschen sich von ihrer authentischen Autonomie getrennt haben, nein zu sagen, Grenzen zu setzen. Sie fühlen immer noch die gleiche Gefahr, als sie jung waren und diese wirkt bis in die Gegenwart und wird in ähnlich wiederkehrenden Situationen automatisch ausgelöst. Diese Dynamiken stellen eine Anpassung an die Fehler der vergangenen Umgebung, der frühen Entwicklungstraumata da.

      Das Kerndilemma führt uns zu der Erkenntnis, das die größte Sehnsucht gleichzeitig auch die größte Angst ist. Was übrigens auch der Titel für das Buch „Entwicklungstrauma heilen“ von Dr. Laurence Heller, dem Begründer der NARM Methode ist.

      Neue Kapazität für Beziehungen

      Im Zustand der Verbindung nehmen wir wahr, was wir brauchen und können dies nach Außen kommunizieren, was wiederum Auswirkung auf unsere Beziehungen hat. Bei sich zu bleiben, eingestimmt zu sein auf unsere Bedürfnisse, im Vertrauen und Zutrauen zu sein, eigenständig in Verbindung mit unseren Grenzen und einer gesunden Abhängigkeit sowie im Zustand einer Verbundenheit von Liebe und Sexualität können wir emotional intime Beziehungen eingehen, halten und glücklich gestalten.

      Wenn wir mit uns im Kontakt sind, sind wir es auch mit der Umwelt. So wissen wir, was wir von ihr brauchen und sind gleichzeitig in Verbindung mit ihr, also auf sie eingestimmt. So bleiben wir in einer gesunden Beziehung zu unserer Heimat und Zukunft.

      Rafael Prentki

      „Alles Leben pulsiert.“

       

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