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                                                                                                                             © Drawing by Moonassi

Liebe zwischen den Generationen

Vorneweg möchte ich zum Ausdruck geben, dass ich davon ausgehe, dass die meisten Eltern, auch alle, die diesen Artikel lesen, ihr Bestes tun.

Sie tun ihr Bestes, um ihren Kindern liebevolle und gute Eltern zu sein. Ich bin mir sicher, dass sie gegenüber ihren Kindern Liebe empfunden haben. Ob sie diese Liebe für ihre Kinder, oder für andere Menschen in ihrem Leben erfahren haben, bedeutet, dass sie ihre generationsübergreifende Liebe weitertragen.

Es handelt sich um eine Art, scheinbar von der Spiritualität getrennte, natürliche Liebe, die von der Familie kommuniziert wird, oder nicht. Sie hat einen so großen Einfluss auf uns alle, dass ihre Elemente sich in uns selbst und in unserem Leben wiederfinden.

Als ich im Rahmen meiner Ausbildung während einer Gruppenarbeit in der Familienaufstellung, bei der sich Menschen mit ihren Wunden öffneten, viel Verletzung und gleichzeitig Freude erlebte, wurde mir klar, dass das Thema der Liebe eine große Bedeutung spielt.

Wachstum ist von dem Zugang zu unserem Herzensraum abhängig, insofern, dass er den Zugang zu den Prozessen sowie ihre Heilung fördert.

Ich bin in einer freud- und liebelosen Gesellschaft aufgewachsen, in der man über diese Dinge nicht sprach. Als ich jedoch mit Menschen zusammen kam, die ähnliche Erfahrungen teilten, begann ich das Thema der Liebe zu beobachten, dass es immer da war, unter all den Anpassungen an das Trauma, die wir gemacht haben. Ich erkannte, wie wichtig es war, den Aspekt der Liebe in therapeutische Prozesse einzubeziehen.

Man sollte sich mal vor die Augen führen, wie viele psychologische Bücher vorhanden sind, die den Begriff der Liebe völlig außen hervorhalten. Verständlicherweise lässt sich Liebe nicht unter dem Mikroskop untersuchen.

Vielleicht ist dies der Grund, warum sich die psychologische und psychotherapeutische Welt mit diesem Thema nicht auseinandersetzt.

Seltsamerweise setzt man mit diesem Begriff alle möglichen Bedeutungen in Verbindung, von märchenhaft bis abgehoben, dabei ist es meiner Erfahrung nach, das am meisten Erdende, was es gibt.
Ich denke, es hat damit zu tun, dass wir auf Grund unserer Herkunft, uns schwertun, in unserem Herzen zu sein und uns auf dieser Ebene auszudrucken.

In diesem Artikel möchte ich mehr auf den Zusammenhang zwischen generationsübergreifender Liebe und Trauma eingehen.

Ein Kind weiß instinktiv, wie wichtig seine Beziehung zu seinen Versorgern/Eltern ist.
Der Verlust dieser Beziehung könnte für ihn schlimmstenfalls den Tod bedeuten. Daher können wir im psychologischen Kontext über die Bindung oder über die Angst des Kindes vor dem Verlust der Bindung sprechen.

Die Beziehung zu unserem Herzensraum als auch zu unseren Versorgern/Eltern bilden dabei eine Schnittstelle und erfordert eine nähere Betrachtung, wenn wir über Heilung sprechen.

Wir wissen, dass unser Herz eine Emotion, oder ein tieferer Zustand sein kann, der durch die Störung der frühen Bindung eingeschränkt und sogar gebrochen werden kann.

Aus der Erfahrung wissen wir, dass die Trennung von uns selbst und unserem Herzen ein schmerzhafter Akt sein kann.

In der Tat wissen wir, dass das Herz sowie andere Organe durch traumatische Erfahrungen kontrahieren, sprich sich zusammenziehen können. Wir können im Herzen zusammenziehen, als Reaktion auf den Verlust von Liebe und Verbundenheit.

Gewissermaßen geschieht bei dauerhaften Kontraktionen mehr als auf der muskulären Ebene, Kontraktionen werden vom gesamten Nervensystem umfasst.

Wenn ein Kind dauerhaft wütend und voller Zorn ist, erlebt es eine intensive Bedrohung , in dem es Gut und Böse spaltet.

Für den Erhalt dieser Beziehung und damit seines Überlebens nimmt es die Schuld für sein Verhalten auf sich, weist Teile von sich ab und trennt sich damit ein Stück weit von seinem Herzen. Nun betrachtet es die Eltern fortwährend als die Guten.

In diesem Verlauf lässt sich erkennen, dass nicht nur die Bindungsbeziehung, sondern auch die Liebesbeziehung bedroht wird.

Es fühlt sich so an, als ob die starke Energie der Wut jedes Gefühl der Liebe übertönt.
Wenn das Kind jedoch jegliche Verbindung zur Liebe verliert, gibt es keine Hoffnung auf Liebe im Universum. Das wäre auch für das Kind katastrophal.

Daher ist es so wichtig uns und unsere Klienten daran zu erinnern, dass sie irgendwo im Leben einen Raum erhalten haben, die die Erfahrung geliebt zu werden gespeichert haben.

Es handelt sich um einen Raum, eine Oase der Hoffnung an die tiefe Annahme unseres wahren Selbst, besonders für Menschen, die frühe Traumata erlebt haben.

Oftmals berichten diese Menschen, wie sehr sie von ihrer gesunden Großmutter geliebt wurden und sie in ihrem Leben eine große Rolle gespielt hat. Sie erinnert diese Menschen, dass Liebe in der Welt existiert.

Dieses bisschen Hoffnung, hilft diesen Menschen durchzuhalten und ermöglicht im späteren Verlauf den Zugang zu ihrem Heilungspotential.

Wenn wir also von Entwicklungstrauma sprechen, dann ist das wirklich ein Herzensbruch, es sind die frühen Bindungsstörungen, die dazu führen, dass wir uns von unserem Herzen trennen müssen. Wir können also von dem Verlust der Liebe eines Kindes sprechen.

Als Folge dessen, nehmen wir Anpassungen an uns selbst und an unserem Verhalten vor.
Wir sehen aber auch, dass der Grund für die Entwicklung unseres Verhaltens und derer Muster, im NARM nennt man sie Überlebsstrategien, dazu dienen geliebt zu werden.

Zum Beispiel, wenn ich mich unsichtbar mache, werde ich toleriert und eventuell geliebt, wenn ich nicht bedürftig bin, wenn ich nicht allzu anspruchsvoll bin, wenn ich nicht viel verlange, dann werde ich geliebt. Und wenn ich nichts sage und kein nein sage, dann werde ich geliebt.

Hier wird auch deutlich, wieviel für uns als Erwachsene in unseren Beziehungen auf dem Spiel steht.

Wenn sich Erwachsene um das Aufräumen streiten, wird klar, wie sehr, es darunter um das nicht gesehen, nicht gehört, oder respektiert werden geht. Es fühlt sich an, als ob der Streit direkt zu unserem Herzen und der Angst, um den Verlust der Liebe geht.

Im Grunde genommen sind alle Anpassungen an unser Selbst, die wir an uns vornehmen dazu da, Liebe zu bekommen. All der Schmerz, den wir fühlen, hängt damit zusammen, dass wir nicht gesehen, gehört und verstanden werden.

Interessanterweise müssen wir jedoch Folgendes bemerken. Der Versuch geliebt zu werden, in dem wir Anteile unseres Selbst abspalten und uns auf eine bestimme Weise verhalten, bedeutet nicht, dass wir fühlen geliebt zu werden. Vordergründig steht das Gefühl, dass man sich die Liebe verdienen muss.

Wir können davon ausgehen, dass es einfacher für ein Kind ist, das nicht genug Liebe erfährt, sich selbst als ein nicht liebeswertes Kind mit liebenden Eltern zu betrachten, als ein liebenswertes Kind, dessen Eltern nicht fähig sind zu lieben.

Das Kind, was sich selbst als falsch und nicht liebenswert sehen wird, was zum Teil sein verzerrtes Ich wird und so sein restliches Leben prägen wird, wenn es nicht die Möglichkeit hat dies zu bearbeiten.

Die Liebe dieser Menschen wird immer an Bedienungen geknüpft. Die Grundlage der Liebe wird immer Leistung und Aussehen und anderen Elementen werden, wodurch man nie ganz ankommen wird.

Selbst wenn das Gefühl entsteht, dass man durch diese und jene Bemühungen sowie Dinge positiv auf dieses geschaffene Ich reagiert, bleibt die Frustration, wenn sie mich darunter wirklich kennen würden, würden sie mich nicht lieben.

Die Arbeit im NARM fängt jedoch nicht in dieser kognitiven Erkenntnis, vielmehr tiefer auf der emotionalen Ebene an. Da wo wir als Kinder uns all die Dinge antun, um mit der Welt, in der wir uns befinden zurecht zu kommen und ihr einen Sinn geben.

Das Bemühen selbst, der Versuch, geliebt zu werden, ist ein Hindernis an sich, um tatsächlich Liebe zu empfangen. Denn, wenn man sich anstrengt und dafür positiv wahrgenommen wird, ist das was gewürdigt wird, das Bemühen.

Es ist so als ob, das Elternteil auf das kleine Kind hinaufschaut und sagt: Mein Schatz, jetzt liebe ich dich nicht, aber wenn Du erwachsen bist und schön oder gut aussehend oder perfekt aussiehst, wenn du sehr gute Noten in der Schule hast, wenn du nie Fehler machst, wenn Du mich nie ärgerst, wenn Du Erfolg im Leben hast, dann werde ich dich lieben.

Diese Liste lässt sich ewig fortführen, aber das ist es, was in Familien getan wird, was wir verinnerlichen und uns selbst antun. Schlimmer noch, wenn wir das nicht erreichen und dabei Fehler begehen, dann wird noch alles mehr belastet, in dem wir all das nicht Erreichte auf uns selbst richten, wodurch sich nicht geliebt werden nur noch verstärkt.

Meiner Erfahrung nach, gibt es einen Unterschied, ob Jemand sagt, er arbeitet hart daran sich selbst zu lieben, als wenn er sagt, ich arbeite hart daran, mich selbst besser zu akzeptieren.

Das Herzstück von NARM ist dabei die Akzeptanz aller Teile von uns und Mitgefühl für dieses Bemühen zu entwickeln, dies ist ein Schritt Richtung bedienungsloser Liebe und mehr Herzlichkeit.

Dank der erlernten Akzeptanz werde ich meinem Herzen treu und erkenne, dass mein Herz das Zentrum meines Lebens und meiner Beziehung zu mir selbst und zu anderen Menschen ist.

Akzeptanz ist eine Art Zwischending zwischen einem Zustand und einem Verhalten, aber es ist zum Teil ein Verhalten und eine bestimme Einstellung, die wir gegenüber einem Fehler haben, den wir gemacht haben.

Der Zustand der Liebe ist ein Zustand und es schließt uns selbst ein, unsere Familie, unsere Freunde, er kann die ganze Welt einschließen.

Vielleicht kennt ihr den Moment, in dem Ihr spürt, mit Eurem offenen Herz die ganze Welt umschließen zu können. Durchaus sind es transformierende Erfahrungen.

Von der Wissenschaft haben wir gelernt, dass das sympathische Nervensystem uns in die Anstrengung bringen kann. Als Folge dieses Erregungszustandes leiden darunter unsere Wahrnehmung und Kommunikation. Anstrengung reduziert somit die Fähigkeit für soziale Kompetenz und glückliche Beziehungen.

Die Tatsache, dass Menschen in die Therapie gehen, zeigt jedoch, dass sie ihre Hoffnung auf Liebe nicht verloren haben und Erinnerungen an die Hoffnung immer noch bestehen. Sie waren geknüpft an Momente einer zumindest teilweisen Verbundenheit sowie ihrer Sehnsüchte.

Wir können uns nicht dazu bringen Jemanden, oder uns selbst zu lieben. Liebe geschieht unter bestimmten Umständen. Sie geschieht, wenn wir uns auf sie einlassen und wenn es Jemanden gibt, auf den wir Liebe richten können. Der Aspekt der zwischenmenschlichen Liebe ist sehr wichtig.

Es gibt spirituelle Wege, die den Aspekt der persönlichen Liebe umgehen, tatsächlich ist es manchmal einfacher Gott zu lieben, als andere Menschen. Jedoch können wir das Erlernen der zwischenmenschlichen Liebe auf die spirituellen Erfahrungen aufbauen.

Ich bin mir sicher, dass wenn wir uns auf unsere Verletzungen einlassen und nicht mehr vor ihnen weglaufen und anfangen so mehr zu fühlen und uns nicht mehr für diese Verletzungen die Schuld geben, erkennen wir nach und nach, immer mehr Menschen in unserem Umfeld, die uns Akzeptanz vermitteln.

Wir können als NARM Therapeuten die Menschen nicht in ihre Liebe bringen, wenn sie jedoch bereit für ihre persönliche Arbeit sind, können wir dabei helfen sich mit der Fähigkeit zu verbinden, die schon immer in ihnen war, aber sie waren davon zu weit entfernt, dass sie das nicht erkannten.

Wir wollen den therapeutischen Prozess so gut wie möglich verstehen, jedoch bleibt unsere Methode rein technisch und ein mechanischer Prozess, solange wir das menschliche Element und die Herzlichkeit außen vorlassen.

 

„Schau nicht weg“, sprach das Herz

 

 

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Rafael Prentki