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      Burnout und das Dilemma um das Erkennen und Handeln

      Das Leid der Burnout erkrankten Menschen ist groß und oft nicht auf den ersten Blick erkennbar. Emotionaler Zwiespalt und eine psychobiologische Kapazität, Resilienz im Ungleichgewicht führen zu ganz individuellen Verläufen und andauernden Beschwerden.

      Ihre Neigung viel Verantwortung auf sich zu laden zerrt über längere Zeit an ihren Kräften. Unter ihnen gibt es Menschen, die sich selbst wieder fangen und die, die einen längeren Prozess bis zur inneren Not durchlaufen.

      Menschen im Burnout machen vieles mit sich selbst aus und doch haben sie berührende Erfahrungen und Schicksale zu berichten. Daher habe ich mich entschieden ihnen hiermit eine Stimme zu geben.

      Viele Artikel befassen sich bereits mit der Definition rund um das Thema Burnout.

      Wesentlich wären Symptome wie anhaltende Müdigkeit, körperliche und emotionale Erschöpfung, ein Gefühl ausgebrannt zu sein, Energiemangel, Schlafstörungen, Konzentration,- und Gedächtnisprobleme, Leistungsabfall, Entscheidungsunfähigkeit sowie verringerte Initiative und Kreativität.

      Beschwerden dieser Art verändern sich im Laufe der Jahre, weswegen das Burnout verschiedene Phasen durchläuft. Meistens jedoch erleben ihn Menschen vorwiegend im beruflichen Umfeld.

      Betroffene erfahren die Arbeitssituation als Überforderung, die schwer bewältigend und als kränkend empfunden wird. Diese Belastung wird als psychischer, bzw. physischer Druck wahrgenommen, welche körperliches und geistiges Leid hervorruft und somit das gesamte Leben einschränkt.

      Einige der Symptome des Burnouts finden sich in der Depression wieder. Menschen, die an Burnout leiden, erfüllen nicht immer die Kriterien der Depression.

      Ein Burnout kann sich jedoch aus der vorangegangenen Depression entwickeln, weswegen es wichtig ist, genauer hinzuschauen und das Leiden frühestmöglich ernst zu nehmen.

      Allerdings liegt genau darin die Herausforderung. Menschen, die am Burnout leiden, können sich nur schwer anerkennen, dass sie krank sind.

      Daher fällt es ihnen besonders mühsam Hilfe anzunehmen. Dies widerspricht ihrem Glaubenssatz perfekt sein zu müssen sowie ihrem Anspruch leistungsfähig zu bleiben.

      Genesung ist ein persönliches Bedürfnis welches, während der Burnout Phasen verstärkt verleugnet wird.

      Enttäuschung und Misserfolg sind eher Scham behaftet, weswegen sie ausgeblendet werden und ein Aushalten des Zustands fördern. Dies erschwert den Gang in eine Praxis und verlängert das Leiden der Betroffenen.

      Wenn ich meine Klienten frage, ob sie sich Ruhe und Entspannung gönnen, höre ich oft ein „nein“ und beim näheren Erforschen stelle ich fest, dass genau dieses „Nein“ gefährlich für sie sein könnte.

      Dazu später noch mehr.

      Ständige Unruhe und Nervosität begleitet meine Klienten und um sie abzubauen, wird oftmals mehr gearbeitet und geleistet. Was ich dann höre, sind Sätze wie, „wenn ich das Projekt abschließe, trete ich kürzer, oder in den Ferien wird’s etwas weniger und ich habe keine Zeit für Entspannung, Hobbys und private soziale Kontakte“.

      Hinzu kommt, dass wir alle in einer Leistungsgesellschaft leben und „nicht leistungsfähig zu sein“ tabuisiert wird. Der sozial-gesellschaftliche Druck erzeugt ebenfalls enorme Ansprüche insbesondere bei Betroffenen, sich Burnout einzugestehen.

      Wenn dann auch noch reale Umstände wie Existenzen dranhängen, wird die persönliche Lage komplex und langwierig.

      Ist es nicht möglich, die Situation zu verändern, stellen sich langfristige Gefühle der Hoffnungslosigkeit und Sinnlosigkeit ein, die dann auch wieder zu einer Depression führen können.

      Weiter unten liste ich frühe Anzeichen eines Burnouts auf.

       

      Burnout Verlauf

       

      Aufgrund der dauerhaften Überforderung fällt es den Betroffenen zunehmend schwerer abzuschalten und sich zu erholen.

      Die Warnzeichen werden oftmals übersehen. Dazu kommt es, dass erhoffte Anerkennung, wie Erfolge oder Belohnungen ausbleiben. Erschöpfung und Frustration sind die Folge.

      Hinzu kommen eventuelle Magen Darm Probleme, Herz-Kreislauf Beschwerden, Kopfschmerzen oder Schlafstörungen. Je eher man auf seinen Körper hört, desto besser die Aussichten auf Heilung.

       

      Burnout aus der Sicht des Entwicklungstrauma

       

      „Ich will Nein sagen, kann aber nicht.“

      Klienten, die ausgebrannt in die Praxis kommen, frage ich, ob sie auch schon mal „Nein“ sagen, wenn es darum geht neue Aufgaben, oder mehr Arbeit zu übernehmen. Ob sie sagen können, dass das was sie grade machen, schon zu viel ist.

      Meistens höre ich, dass es ihnen nicht möglich ist, in dem Punkt eine Grenze zu ziehen und Nein zu sagen. Wenn ich diese Dynamik näher mit ihnen ergründe, zeigt sich oftmals ein Verständnis darüber, dass dieses gefährliche „Nein“ ein Element ihrer frühen Entwicklung darstellt und in der Gegenwart immer noch gefährlich für sie ist.

      Weiteres Erforschen führt zu der mitfühlenden Erkenntnis, dass im kindlichen Umfeld das Bedürfnis Nein zu sagen aufgegeben werden musste.

      Das Kind konnte nicht dauernd um seine Grenzen kämpfen, es wollte Liebe, es wollte überleben.

      Sein Organismus hat letzten Endes diese Kraft reguliert und abgeschnitten, um sich zu schützen.

      Der intelligente Körper hat verstanden, dass es mit seinem Bedürfnis in dieser Atmosphäre nicht willkommen geheißen wurde, vielmehr wurde es aus verschiedenen Gründen zurückgewiesen.

      Als Kind musste man sein essenzielles Bedürfnis nach Autonomie und damit der Fähigkeit Grenzen zu ziehen zugunsten des Erhaltes der Bindung zu seinen Versorgern aufgeben. So findet man sich in der Gegenwart im Kernkonflikt wieder, die Bedürfnisse der Vorgesetzten vorzuziehen.

      Wie wir sehen, wirkt die alte Gefahr in der Gegenwart fort und bestimmt unser Denken und Handeln, insbesondere dann, wenn wir unsere eigenen Bedürfnisse ausdrücken möchten.

      Das Kerndilemma heißt, mein Bedürfnis steht contra das Bedürfnis im Außen. Weil es gefährlich ist Nein zu sagen, verzichte ich auf meine Grenze.

       

      Was können wir selbst tun?

       

      Nun, es gibt zahlreiche unterstützende Ideen, die ich hier teilen möchte, wie zum Beispiel:

      • Eigene Ziele, Erwartungen überprüfen
      • Situation am Arbeitsplatz verändern
      • Entspannungsübungen
      • Yoga, Meditation, Natur
      • Alltag anders gestalten
      • Soziale Kontakte aufbauen
      • Gesunde Lebensweise pflegen

      Allerdings sind dies aus der entwicklungstraumatischen Perspektive nur Maßnahmen, um uns kurzfristig zu regulieren.

      Langfristig kann es helfen, sich auf das Innere einzulassen und hinschauen, was uns unsere Anspannungen im Moment der Ruhe zu sagen hat und wie unsere aktuellen Bindungen, vorwiegend zu unseren Vorgesetzten aussehen.

      Wenn wir aus uns heraus heilen möchten und alte wiederkehrende Muster verändern wollen, ist es wichtig anzuerkennen, dass Willenskraft nicht ausreicht, um komplexe schambehaftete Glaubenssätze dauerhaft zu verändern.

      Ein großes Potenzial liegt darin, unserem Körper die Möglichkeit geben, da nachzureifen, wo er dies nicht konnte, indem wir uns auf uns selbst einlassen.

      Ich möchte Dich ermutigen, nicht länger wegzurennen und das Innere sanft zu erforschen.

      Autonomie und Orientierung können wieder erlangt werden. Dabei kann es helfen hinzuhören, welche Botschaften unsere Empfindungen signalisieren und was unsere Emotionen antreibt.

      Unser Körper kann lernen in die Kraft zu kommen, um eigenständig zu entscheiden, was gut für uns ist und wann genug ist.

      Zeit für Genesung und persönliches Glück zu ermöglichen, können wir nur, indem wir uns Raum erlauben.

      In diesem können wir eigenen Rhythmus wiederfinden, wodurch sich ein kraftvolles und eigenständiges Selbst gestalten lässt. Ich halte diesen Punkt für sehr spannend, da neugewonnene Orientierung auch zu neuen Lebensentwürfen führen kann.

       

      Zu den frühen Anzeichen eines Burnouts zählen

       

      • Die Überzeugung, unentbehrlich zu sein
      • Das ständige Gefühl, zu wenig Zeit zu haben
      • Die Verleugnung persönlicher Bedürfnisse
      • Das Ausblenden von Misserfolgen und Enttäuschungen
      • Die Reduzierung sozialer Kontakte auf das berufliche Umfeld
      • Unruhe und Nervosität

      Burnout ist aus meiner Erfahrung ein Signal dafür, dass wir unseren aktuellen Weg überdenken sollten.

      Manchmal kommt es einem so vor, als ob man sich im Dschungel befindet und zahlreiche Wege ausprobiert und sich doch wenig ändert.

      Man sieht sich vor großer Herausforderung anzuerkennen, dass es an der Zeit ist den Dschungel selbst zu wechseln.

      Es kann auch bedeuten, dass wir uns unsere Eigenständigkeit wiedererlangen sollten, in dem wir uns auf Veränderungen einlassen, die einem schwerfallen.

      Burnout kann jedoch eine große Chance sein, uns selbst zu begegnen und uns neu ausrichten.

      Wenn wir diese Entscheidung treffen, können wir vorher nicht sagen, was aus uns wird. Was sich mit ziemlicher Sicherheit sagen lässt, dass etwas Neues auf uns zukommt und wir alles gewinnen können, wonach wir uns so sehr sehnen.

      Gerne unterstütze und begleite ich Dich auf diesem Weg, schreibe mir ein Kommentar, oder eine Nachricht.

      Nein sagen ist „sexy“ und Grundlage für Intimität

      Dein Rafael Prentki